Anforderungen an Baustoffe aus Recyclingmaterial

Die Anforderungen an die Eigenschaften und die Nutzungsdauer von Bauwerken, die aus Recyclingbaustoffen errichtet wurden, mussen generell denen von Bauwerken entsprechen, fur die konventionelle Baustoffe verwendet wurden. Verwendungskriterien fur eine mogli – che Anwendung von Recyclingbaustoffen sind [AB 22]: [14]

• Wirtschaftlichkeit gegeniiber konventionellen Baustoffen

• Umweltvertraglichkeit.

Das Kreislaufwirtschafts – und Abfallgesetz fordert die Abfallvermeidung und Ressourcen – schonung und definiert allgemeine Anforderungen an die ordnungsgemaBe und schadlose Verwertung. Grundsatzliche Verpflichtungen zur Verwendung von Recyclingmaterialien sind im Wasserhaushaltgesetz (WHG), im Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) und im Bundesimmissionsschutzgesetz (BimsSchG) festgelegt. Allerdings lassen sich aus diesen Gesetzen keine konkreten Anforderungen an die Baustoffe ableiten. Hier sind die bundes – einheitlichen Regelungen der Landerarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA, [AB 24]) „ Anfor­derungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Reststoffen/Abfallen“ maBge – bend. Dieses Regelwerk trat 1997 in Kraft und beurteilt anhand des im Feststoff oder im Eluat gemessenen Schadstoffgehaltes die Moglichkeit der Wiederverwendung aufbereiteter Baustoffe mit Schwerpunkt Bodenaushub, StraBenaufbruch und Bauschutt. Die Baurest – stoffe werden auf der Grundlage bestimmter Zuordnungswerte in sechs Einbauklassen ein – geteilt (Abb. 13.1). Materialien der Klassen Z0 bis Z2 sind grundsatzlich fur den Erd-, StraBen-, Landschaftsbau u. a. wiederverwendbar. Fur Recyclingmaterialien der Klassen Z3 bis Z5 ist ein Wiedereinbau nicht zugelassen.

Die Festlegung der zulassigen Einbauklasse erfolgt nach Verwendungszweck und Einbau – ort durch die zustandige Umweltbehorde. Die Zuordnungswerte werden auf der Grundlage der gemessenen Schadstoffgehalte ermittelt. Neben Arsen (Z0 = 20) werden in den Fest- stoffen die Schwermetalle Blei (100), Cadmium (0,6), Chrom (50), Kupfer (40), Nickel (40), Quecksilber (0,3) und Zink (120), Kohlenwasserstoffe HI 8 (IR-spektroskopische Be – stimmung von KW nach DIN 38409-H18; Z0 = 100), polycyclische aromatische Kohlen­wasserstoffe, РАК (1) und polychlorierte Biphenyle/PCB (0,02) bestimmt. In Klammem stehen jeweils die von der LAGA in den Technischen Regeln II. 1.4 Bauschutt festgelegten Zuordnungswerte (Z0) „Feststoffe fur Boden“, alle ZO-Werte sind in mg/kg angegeben. In den Eluaten ermittelt man zusatzlich die Sulfat – und die Chloridkonzentration sowie die elektrische Leitfahigkeit und den pH-Wert.

Z0 Z1 Z2 Z3 Z4 Z5

Zuordnungswert (Obergrenze der Einbauklasse)

Einbai

i/Ablagerung in De

jponien

uneingeschrankter

einge-

einge-

Deponie-

Deponie-

Sonder-

Einbau

schrankter

schrankter

klasse 1

klasse 2

abfalldeponie

offener Ein­bau

Einbau mit definierten techn. Siche- rungsmali – nahmen

(ТА SieAbfall)

(ТА SieAbfall)

(ТА Abfall)

Abbildung 13.1 Einbauklassen mit den dazugehorigen Zuordnungswerten (Quelle: LAGA)

Die Zuordnungswerte Z0 bis Z2 sind als Obergrenze der jeweiligen Einbauklasse definiert. Z0 bedeutet uneingeschrankten Einbau, Z1 steht fur offenen, eingeschrankten Einbau und

Z2 fur eingeschrankten Einbau mit defmierten technischen SicherheitsmaBnahmen. Somit werden fur die Einbauklasse ZO die geringsten und fur die Einbauklasse Z2 die hochsten Anforderungen gestellt. Die Einbauklasse Z1 wurde nochmals unterteilt in Z 1.1 (ungiins – tige hydrogeologische Voraussetzungen) und Z1.2 (gunstige hydrogeologische Vorausset – zungen). Grundsatzlich gelten die Zl. l-Werte. Recyclingbaustoffe mit Z1.2-Werten dtirfen lediglich in hydrogeologisch gunstigen Gebieten (Abstand zum hochsten Grundwasserstand mind. 1 m; keine Wasserschutz – und Naturschutzgebiete) eingebaut werden, soweit dies die landesspezifischen Regelungen erlauben. Fur die Zuordnungswerte Z2 gelten bereits sehr umfangreiche Auflagen und Einschrankungen. Weitere Details siehe [AB 24].

Fur Recyclingbaustoffe wie auch fur zahlreiche industrielle Nebenprodukte existieren schon seit langem Technische Lieferbedingungen (TL) sowie Merkblatter, in denen bau – technische Anforderungen und Mindestanforderungen an wasserwirtschaftliche Parameter festgelegt sind. Die Landergemeinschaft Abfall hat die oben erlauterten Empfehlungen fur die Verwendung solcher StraBenbaustoffe erarbeitet. Als Konsequenz der unterschiedlichen Umweltvertraglichkeit der genannten StraBenbaustoffe erarbeitete die Forschungsgesell – schaft fur StraBen – und Verkehrswesen (FGSV) Richtlinien fur die umweltvertragliche Anwendung von industriellen Nebenprodukten und Recyclingbaustoffen im StraBenbau (RuA-StB 01, Ausgabe 2001). Diese Richtlinien beriicksichtigen neben der wasserwirt- schaftlichen Vertraglichkeit die Vorgaben des Bundesbodenschutzgesetzes im Hinblick auf den Einsatz von Recyclingbaustoffen und Nebenprodukten.