Baustoffrecycling heute: Eine kritische Bestandsauf – nahme

Als das Kreislaufwirtschafts – und Abfallgesetz 1996 in Kraft trat, wurde der Grundsatz „Vermeiden vor Verwerten vor Beseitigen“ als ubergeordnetes Ziel fur Wirtschaft und Po – litik verbindlich festgeschrieben. Die verstarkte Forderung der Kreislaufwirtschaft zur Schonung unserer naturlichen Ressourcen wurde als Hauptanliegen des neuen Gesetzes formuliert. Betrachtet man die aktuelle Situation auf dem Gebiet des Baustoffrecycling heute kritisch, so zeigt sich, dass das KrW-/AbfG nur wenig bewirkt hat. Sein untergeord – netes Regelwerk wird in den verschiedenen Bundeslandem unterschiedlich ausgelegt und wissenschaftlich fragwlirdige,,Besorgnisgrundsatze“ in Verbindung mit nicht einzuhalten – den Grenzwerten hebeln den Verwertungsanspruch aus [AB 26]. Zu den Leidtragenden dieses okologischen (und biirokratischen) Konflikts gehort in erster Linie die Bauwirt – schaft. Laut Arbeitsgemeinschaft Kreislaufwirtschaftstrager Bau (ARGE KWTB), eine

1995 gegrundete freiwillige Brancheninitiative, die die (Kreislaufwirtschafts)-Interessen aller am Bau Beteiligten vertritt, fallen die Auswirkungen drastisch aus:

• Verwertbare Abfalle werden auf kommunal gefuhrten,,Billig“-Deponien (die es nach den ursprunglichen Zeithorizonten der ТА Siedlungsabfall heute gar nicht mehr geben sollte!) entsorgt.

• Technisch gut ausgestattete und nach hochsten Umweltstandards arbeitende Recyc – lingfachbetriebe werden in die Insolvenz getrieben. Damit verliert die deutsche Bauwirtschaft wertvolles, iiber zwei Jahrzehnte entwickeltes Know-how im Recyc – lingbereich – und dariiber hinaus Arbeitsplatze.

• GroBe Mengen giiteuberwachter Recyclingbaustoffe lagem auf Halde, da ihre Verwendung durch Bewertungsmodelle blockiert wird, die sich auf z. T. nicht nachvollziehbare Grenzwerte stutzen.

• Bauausfuhrende Firmen werden nach willkurlichem Ermessen zu Abfallerzeugem erklart. Indem man diesen Untemehmen ungerechtfertigt Verantwortung, Pflichten, Risiken und zusatzliche Kosten iibertragt, treibt man auch sie ins Aus.

In ihrem 2003 publizierten Positionspapier fordert die Arbeitsgemeinschaft Kreislaufwirt – schaftstrager Bau, das uberdimensionierte und z. T. widerspriichliche Ordnungsrecht auf ein anwendungsorientiertes MaB zu reduzieren und fur die Behandlung von Baureststoffen ein bundesweit einheitliches und praktikables System zu etablieren [AB 26]. Im Sinne einer akzeptierten Kreislaufwirtschaft muss nach einem qualitatsgepriiften Recyclingprozess den Baustoffen der Produktstatus zugesprochen werden. Recycelte Baustoffe sind keine Abfalle mehr. Die Beibehaltung des Abfallstatus fur Recyclingbaustoffe bis zu ihrem Einbau ist in der Praxis schwer vermittelbar und wirkt sich prinzipiell negativ auf ihren Absatz aus. Kreislaufwirtschaft im Bauwesen bedeutet Bauen, Ruckbauen und verwertungsorientiertes Recycling. Kreislaufwirtschaft ist praktizierter Umweltschutz, da durch das Recycling und die Wiederverwendung von Baureststoffen naturliche Ressourcen geschont werden. Wer eine Wiederverwertung giiteuberwachter Recyclingbaustoffe – durch welche MaBnahmen auch immer – verhindert, versundigt sich an unserer Umwelt und damit an nachfolgenden Generationen.