Chemische Zusatzmittel und ihre Wirkungsweise

Seit 1950 hat sich in Deutschland eine bauchemische Industrie entwickelt, die Zusatzmittel fur den Einsatz in zement- und gipsbasierenden Bindemittelsystemen produziert. Das Sor – timent ist breit gefachert. Heute wird eine Vielzahl von Zusatzmitteln hergestellt, die sich in der Wirkung unterscheiden und in unterschiedlichen Anwendungsbereichen eingesetzt wer – den, z. B. zur Verbesserung der Eigenschaften des Frischbetons (hohere Plastizitat, Verar – beitbarkeit und Pumpfahigkeit) oder des Festbetons (erhohte Druck – und Biegezugfestig – keiten, hohere Dichtigkeit, Sichtbetonqualitat), zum Einsatz in Gipsbaustoffen, Farben, Trockenmorteln und Putzen. Die Wirkprinzipien der in DIN EN 934 aufgefuhrten Zu­satzmittel erstrecken sich vom Verflussigen, Dispergieren, Verdicken, Erzeugen von Luft – poren, Impragnieren bis hin zum Abdichten und Verkleben.

Verfliissiger (Betonverfliissiger, BV). Verflussiger (auch: Plastifizierer, engl. plasticizer) werden dem Zementleim zugesetzt, um seine Viskositat (in der Sprache der Betontechnolo – gie,,Konsistenz“) zu emiedrigen. Damit wird bei gleichem Wasserzementwert die Verar – beitbarkeit des Frischbetons verbessert. Eine zweite Moglichkeit ist die Reduzierung des Wasseranspruchs von Beton oder Zement – bzw. Gipsmorteln. Durch den Einsatz des VerflUssigers wird bei gleicher Verarbeitbarkeit der w/z-Wert abgesenkt. Eine reduzierte Menge an Zugabewasser (bis zu 15 Liter pro m3) und damit ein kleinerer w/z-Wert bewir – ken eine Erhohung der Druckfestigkeit, der Dichtigkeit und der Widerstandsfahigkeit des Betons.

Подпись: MeO Abbildung 9.25

Ligninsulfonat (Strukturelement)

Die weithin gebrauchlichsten Verflussiger sind die Ligninsulfonate (Lignosulfonate, LS). Ligninsulfonate sind gewissermaben modifizierte Naturprodukte. Sie werden aus dem Lig­nin des Holzes hergestellt (s. Кар. 11). Lignin fallt bei der Herstellung von Cellulose fur die Papierindustrie als Rohprodukt an. Um zum Ligninsulfonat fur bauchemische Anwen – dungen zu gelangen, muss das Rohprodukt mit Hilfe von Enzymen abgebaut, mit Oxidati – onsmitteln depolymerisiert und mittels Sulfomethylierung weiter gereinigt werden. Letzte – rer Schritt erfolgt durch Umsetzung des „rohen66 Ligninsulfonats mit Formaldehyd und Nat – riumsulfit Na2SC>3. Die Ligninsulfonate fallen je nach Ausgangsmaterial und Herstellungs – verfahren als polymere, vemetzte Strukturen an, wobei eine allgemein giiltige chemische Formel nicht angegeben werden kann. Abb. 9.25 zeigt einen Strukturausschnitt aus einem Ligninsulfonat. Die in der Baupraxis verwendeten Ligninsulfonate (Na-, Ca – und NFLr Salze) sind braune, 40%ige wassrige Losungen oder pulvrige Produkte. Neben den phenoli – schen OH-Gruppen wird der Zuckergehalt als Ursache fur eine hydratationsverzogemde Wirkung angesehen. Deshalb ist er in qualitativ hochwertigen Produkten unter 0,2% abge­senkt worden. Als nachteilig haben sich die kurze Wirkungsdauer und die hydratations­verzogemde Wirkung der Ligninsulfonate erwiesen.

Fliefimittel (FM). FlieBmittel sind Stoffe, deren verfliissigende Wirkung die der Beton – verflussiger um den Faktor 2 bis 3 ubertrifft. Deshalb werden sie auch als Superverfliissi- ger {engl. superplasticizer) bezeichnet. Die Viskositat des Zementleims wird derart redu-
ziert, dass die thixotropen Eigenschaften nahezu verloren gehen. FlieBmittel finden breite Anwendung im Anhydrit-FlieBestrich, bei der Herstellung von Gipskartonplatten, bei der Zementierung von Erdolbohrlochem, im FlieBbeton sowie in Sonderbetonen wie dem hoch – festen und ultrahochfesten sowie dem selbstverdichtenden Beton.

FlieBmittel sind wie die Betonverflussiger grenzflachenaktive Substanzen (Кар. 6.2.2.3). Sie sollen die Oberflachenspannung reduzieren und so zu einer effektiveren Benetzung der Baustoffpartikeln und der Gesteinskomung fuhren. Dariiber hinaus sollen sie infolge elek – trostatischer oder sterischer AbstoBung dispergierend wirken.

Hinsiehtlich ihrer chemischen Zusammensetzung unterteilt man die FlieBmittel in zwei Gruppen, in Polykondensate und in Polycarboxylate. Die Polycarboxylate besitzen in der Regel eine hohere Wirksamkeit, sind im Einsatz aber auch teurer.

• Polykondensate. Polykondensate entstehen durch Verknupfung gleicher oder versehie – dener Monomere unter Abspaltung kleiner anorganischer Molekule (s. Кар. 10.4.4.2). Es bilden sich Polymere, die aufgrund ihres mehr oder weniger hohen Vemetzungsgrades als unlosliche, harzartige Substanzen anfallen (Kondensatharze). Als FlieBmittel werden vor allem Naphthalinsulfonsaure-Formaldehyd-Polykondensate und Melamin-Formaldehyd- Sulfit-Polykondensate eingesetzt.

Die zementverfliissigende Wirkung von Naphthalinsulfonsaure-Formaldehyd-Harzen (NSF) wurde 1962 von K. Hattori (Fa. Kao Soap, Japan) entdeckt. Ihr Einsatz fuhrte zur Entwicklung des Transportbetons. NSF-Harze werden durch Sulfonierung von Naphthalin unter Druck, anschliefiender Umsetzung mit Formaldehyd und nachfolgender alkalischer Kondensation erhalten. Das Strukturelement eines Naphthalinsulfonsaure-Formaldehyd – Harzes ist in Abb. 9.26a wiedergegeben. n kann Werte zwischen 3 und 7 annehmen, damit gehoren die NSF-Harze streng genommen zu den oligomeren Kondensaten. Die kommer – ziell erhaltlichen NSF-FlieBmittel sind wassrige gelbbraune Losungen, mit einem Harzge – halt von 40…50%. Fiir Anwendungen im Trockenmortelbereich kommen pulvrige NSF – Harze zum Einsatz. Zu den Vorteilen der NSF-Harze gehoren sehr gute Plastifizierungsei – genschaften und ein gtinstiges Preis-Leistungs-Verhaltnis. Ihre hydratationsverzogemde Wirkung ist gering. NSF-Harze fuhren allerdings in geringem MaBe Luftporen ein, so dass der Zusatz eines Entschaumers notwendig wird.

Melamin-Formaldehyd-Sulfit-Harze (MFS) entstehen durch Umsetzung von Melamin mit Formaldehyd zu Trimethylolmelamin, nachfolgender Sulfitierung durch Zugabe von NaHS03 bzw. Na2S205 und anschlieBender Kondensation im Sauren. Danach erfolgt die Neutralisation mit NaOH, weshalb die MFS-Harze als Natriumsalze anfallen. Kommerziell werden die MFS-Harze als farblose, klare Losungen mit einem Harzgehalt von 40…60% angeboten. Wie auch bei den NSF-Harzen erfolgt vor der Anwendung im Beton eine Ver – dunnung auf etwa 20%. Abb. 9.26b zeigt das Strukturelement eines MFS-Harzes, n liegt bei den industriell hergestellten Produkten zwischen 4 und 10. Damit sind die MFS-Harze wie die NSF-Harze oligomere Kondensate.

Wegen ihres gilnstigen Einflusses auf die Friihfestigkeit werden MFS-Harze vor allem in der Fertigteilindustrie verwendet. Fur Transportbeton ist ihre Wirkungsdauer zu kurz, da sie ihre verflUssigende Wirkung bereits wenige Minuten nach Zugabe zum Beton verlieren. MFS-Harze besitzen einen Klebeeffekt und sind fur Luftporen-Betone hervorragend geeignet.

Wirkungsweise der NSF – und MFS-Harze. Die Polykondensate weisen eine hohe La – dungsdichte auf. Deshalb werden sie sofort und nahezu vollstandig mittels ihrer anioni – schen Sulfonsauregruppen (-S03~) an die positiven Ladungszentren der Oberflache (positi­ves Zetapotential!) der Zementkomer adsorbiert. Die Folge ist eine negative Aufladung der Oberflachen. Die resultierende elektrostatische AbstoBung zwischen den gleichsinnig gela – denen Oberflachen der Zementkomer bewirkt einen Dispergiereffekt, der eine Zusammen – ballung der Partikel verhindert (Abb. 9.27). Zusatzlich zur elektrostatischen AbstoBung kommt es zu einer geringfugigen sterischen AbstoBung als Folge der Wechselwirkung zwi­schen den Polymerketten.

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Abbildung 9.26 Strukturelemente von Polykondensaten: a) Naphthalinsulfonsaure – Formaldehyd-Harze und b) Melamin-Formaldehyd-Sulfit-Harze.

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Abbildung 9.27 Wirkmechanismus von Polykondensaten, z. B. NSF-Flarze (nach [BC 15]).

Grenzen der Anwendbarkeit von Polykondensaten:

– Durch die sofortige und effektive Adsorption nimmt die FlieBwirkung rasch ab.

– Bei w/z-Werten < 0,35 ist die Wirksamkeit gering bzw. nicht mehr vorhanden.

Das bedeutet ftir die Praxis, dass bei langen Anfahrtswegen des Betonmischfahrzeuges oder bei Arbeiten in warmen Regionen dem Transportbeton neben dem FlieBmittel auch ein Verzogerer (z. B. Natriumgluconat) beigemischt werden muss – auf Kosten der Friihfestig – keit. Diese offensichtlichen Nachteile des Einsatzes von Polykondensaten fiihrte Anfang der 80iger Jahre zur Suche nach neuen FlieBmitteltypen mit gunstigeren Eigenschaften. [5]
liegen in alkalischer Losung deprotoniert (-СОСГ) vor. Damit ist die Hauptkette negativ geladen, die Polyethylenoxid-Seitenketten tragen keine Ladung. Die Polycarboxylate gelten als Ausgangspunkt einer neuen Generation von FlieBmitteln („Fliefimittel der neuen Gene­ration “).

Подпись:Abbildung 9.28

Polycarboxylat vom Methacrylsaure – Methacrylsaureester-Typ.

Chemisch: Methacrylsaure-co-Meth-

oxypolyethylenglycolmethacrylat-

Copolymere

(1. Polycarboxylat-Generation)

Подпись: b)О

n = 7…130

Подпись: CH3

PC bestehen aus einer Haupt – und mehreren Seitenketten („Biirsten – Qder Kammpolyme – re“). Aufgrund der freien Drehbarkeit der jeweiligen Bindungspartner um die C-C-Bindun – gen liegen im nicht adsorbierten Polycarboxylat-Molekul die Seitenketten raumlich ausge – richtet vor. Bei den PC der ersten Generation sind die Polyethylenoxid-Seitenketten tiber eine Estergruppierung an die Hauptkette gebunden (Abb. 9.28).

In den vergangenen 25 Jahren wurden neue FlieBmitteltypen entwickelt und erprobt. So kann die Esterverkniipfung zwischen Haupt – und Seitenkette durch eine Etherverkniipfung (Einsatz von Allyl – oder Vinylethem) ersetzt werden (2. Polycarboxylat-Generation). An – fang der 90er Jahre entwickelte die amerikanische Fa. W. R. Grace neue Polycarboxylate mit einer Amid – bzw. Imidverkniipfung zwischen Haupt – und Seitenkette (3. Polycarbo­xylat-Generation). Bei den PC der neuesten Generation, die von der schweizerischen Fa. Sika und der japanische Fa. Toho entwickelt wurden, handelt es sich schlieBlich um zwitterionische Polymere, die in der Hauptkette Carboxylgruppen und in den Seitenketten neben Polyether – zusatzlich Amidoamin-Struktureinheiten aufweisen.

In der Literatur – wie auch im technischen Sprachgebrauch – werden die PC aufgrund der Polyether-Seitenketten meist als Polycarboxylatether (PCE) bezeichnet. GroBte techni – sche Bedeutung haben dabei die esterverknupften Vertreter erlangt. Ihr Anteil am Gesamt – flieBmittelmarkt Iibertrifft heute den der Polykondensate deutlich.

Die wesentlichen strukturellen Unterschiede zwischen PCE und Polykondensaten sind in Abb. 9.29 dargestellt.

Wirkmechanismen der PCE. Das Adsorptionsvermogen und damit die FlieBwirkung han – gen wesentlich von der Molektilstruktur der PCE ab. Zusatzlich zur elektrostatischen Ab – stoBung erfolgt die Stabilisierung der Bindemittelsuspension durch sterische Abstofiung zwischen den Seitenketten („sterische Dispergierung66). Die Seitenketten wirken quasi als Abstandshalter und verhindem ein Zusammenballen der Zementteilchen (Abb. 9.30a). Polycarboxylate besitzen im Vergleich zu den Polykondensaten generell eine deutlich ho – here Wirksamkeit. Zur Erzielung einer vergleichbaren Verfliissigung reichen unter gunsti – gen Bedingungen 25…30% der auf den Wirkstoff bezogenen Dosierung an PCE aus.

Was den konkreten Zusammenhang zwischen der chemischen Natur der FlieBmittelmole – kiile und Eigenschaften wie Dispergiereffekt, Verzogerungswirkung und lange Verarbeit-
barkeit des Betons betrifft, sind in der Literatur haufig widersprtichliche Aussagen anzutref – fen. Unstrittig scheint zu sein, dass die verflussigende Wirkung (Dispergiereffekt) umso hoher ist, je mehr Carboxylgruppen (hohere Ladungsdichte) sich an der Hauptkette befin – den und je klirzer die Seitenketten sind. Dabei sind die Seitenketten im Vergleich zur Hauptkette kurz.

Подпись: • mittlere bis niedrige Ladungsdichte • Carboxylatgruppen als Ladungstrager • Haupt- und Seitenkette • relative Molmasse: 20.000 -150.000

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Polykondensate [6] [7]

Wird der Focus auf eine lange Verarbeitungszeit gelegt, so mtissen PCE mit mittleren bis kurzen Hauptketten, einer niedrigen Ladungsdichte (wenige Carboxylgruppen) und kurzen Seitenketten eingesetzt werden. Die Adsorption der PCE an der Komoberflache erfolgt zu Beginn nur unvollstandig (25-45%). Damit eine vergleichbare Konsistenz erreicht wird,
mussen die PCE dieses Typs im Vergleich zu PCE mit vielen Carboxylgruppen hoher do – siert werden. Der iiberwiegende Teil verbleibt zunachst im Porenwasser und steht fur eine Adsorption und FlieBwirkung zu einem spateren Zeitpunkt zur Verfiigung. Das Bindemittel ist langer verarbeitbar. Dieses Eigenschaftsprofil pradestiniert den beschriebenen PCE-Typ fur einen Einsatz im Transportbeton, wo eine lange Verarbeitungszeit sehr viel wichtiger ist als eine hohe Friihfestigkeit.

Die Adsorption der makromolekularen PCE auf der Bindemitteloberflache hangt neben der Ladungsdichte entscheidend von der Losungsstruktur der Molekiile ab. Sie konnen je nach der Lange von Haupt – und Seitenketten sowie nach der Seitenkettendiehte fadenformig (Wurm, Blirste) oder stemformig vorliegen. Bei der Adsorption an einer Oberflache muss sieh das FlieBmittelmolekul raumlich ausrichten, um eine groBtmogliche Anzahl von Kontaktpunkten mit der Flache zu erzielen. Inwiefem ihm das gelingt, hangt von der kon – formativen Beweglichkeit des Polymers ab. Es werden drei mogliche Adsorptionskonfor – mationen diskutiert (Abb. 9.30b). Befindet sich der Iiberwiegende Teil der anionisehen Gruppen in Kontakt mit der Oberflache, spricht man von einer schleppzugartigen („train46) Konformation. Dieser Fall liegt bei den Polykondensaten vor. Gibt es sterische Zwange, kann die Hauptkette auch in Schlaufen („loops44) oder am Molekiilende („tail44) adsorbiert sein. Die jeweils vorliegende Adsorptionskonformation und damit die Anzahl adsobierter PCE-Molekiile bestimmen Dicke und Dichte der sich ausbildenden Polymerschicht – und damit die Verfliissigungswirkung.

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Abbildung 9.30b Adsorptionskonformationen von Polycarboxylaten auf Bindemittelober – fiachen [BC15]

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Vorteile der PCE gegeniiber den Polykondensaten:

• GroBe Variationsbreite hinsichtlich Lange der Haupt – und Seitenketten sowie An­zahl von Carboxylatgruppen und Seitenketten

• hohe Fruhfestigkeiten

• niedrigere Dosierungen

• effektiv bei niedrigen w/z-Werten (0,15…0,35)

• Konsistenzhaltung bis zu 2 Stunden.

Naehteil: Deutlich hoherer Preis.

Luftporenbildner (LP) sind Zusatzmittel, die den Luftgehalt und damit die Frost – und Frost-Taumittel-Bestandigkeit des Betons erhohen sollen. LP sind ebenfalls grenzflachen – aktive Stoffe. Sie bilden wahrend des Mischens im alkalischen Milieu des Zementleims feinblasige Schaume mit langer Standzeit. Bewahrt haben sich Seifen aus naturlichen Har – zen, wie z. B. Tallharzen, Vinsolharzen, Balsamharzen (Kolophonium) und deren Derivaten sowie synthetische nichtionische und ionische Tenside, z. B. Fettsauren, Alkylsulfate bzw. – sulfonate und Alkylpolyglycolether. Die entstehenden Luftporen (0 10…300 jum) unter – brechen die rohrenformigen Kapillaren und vermindem aufgrund ihres groBeren Durchmes-
sers dessen Saugwirkung. Damit wird die Eindringtiefe fur das aufsteigende Wasser verrin – gert. Die Erhohung des Frost – und Frost-Tausalz-Widerstandes ist auf die Fahigkeit der Luft-Mikroporen zuriickzufuhren, den beim Gefrieren des Wassers in den Kapillarporen entstehenden Uberdruck (Gefrier – oder Eisdruck) auszugleichen. Gleichzeitig bewirken die Luftporen eine Verbesserung der Verdichtungswilligkeit des Betons.

Dichtungsmittel (DM) sind Zusatzmittel, die die kapillare Wasseraufnahme von Festbeton verringem sollen. In erster Linie sind fur die Herstellung dichter Betone naturlich die ent – sprechenden betontechnologischen Voraussetzungen zu beachten, wie z. B. niedriger w/z – Wert, ausreichend hoher Zementgehalt, gute Verdichtung sowie eine entsprechende Nach- behandlung. Werden dennoch Dichtungsmittel notwendig, z. B. fflr Betone, die am Bauwerk gegen aufsteigende Feuchtigkeit oder herabflieBendes Wasser zusatzlich geschutzt werden sollen, setzt man Stoffe begrenzter Quellfahigkeit oder mit hydrophoben Eigenschaften ein. Quellfahige Stoffe, wie z. B. dispergierte Kieselsaure, Phosphate oder quellfahige EiweiBe, sollen die Kapillarporen verschlieBen bzw. verstopfen. Hydrophobe Stoffe, wie z. B. Erdal- kalimetallsalze von Fettsauren, sollen dagegen die kapillare Wasseraufnahme reduzieren. Die Langzeitwirkung von Dichtungsmitteln lasst allerdings oft zu wunschen tibrig.

Verzogerer (VZ), auch Abbindeverzogerer, sind Zusatzmittel, die den Zeitraum zwischen dem verarbeitbaren plastischen Frischbeton und dem festen Beton verlangem sollen. Ein mit Normzement hergestellter Beton beginnt nach 2…3 Stunden zu erstarren. Um bei hohen Betontemperaturen (Hochsommer), bei der Herstellung groBerer massiver Bauteile ohne Arbeitsfugen oder bei Transportbeton ausreichend lange Verarbeitungszeiten zu gewahr – leisten, werden dem Beton VZ zugesetzt. Sie verhindem voriibergehend das Inlosunggehen der schnell reagierenden Zementbestandteile (Aluminate!) und verzogem somit den Hydratationsbeginn.

Die am haufigsten als VZ eingesetzten Verbindungen sind Saccharosen (Rohr – oder Riiben – zucker), Gluconate, wie z. B. Natriumgluconat: Na-Salz der Gluconsaure C6Hn07Na, Hydroxycarbonsauren und Phosphate, wie z. B. Tetrakaliumdiphosphat K4P2O7 oder be – stimmte Natriumpoly – bzw. metaphosphate. Sie greifen in die chemische Reaktion zwi­schen Zement und Wasser ein und bilden mit den Ca2+-Ionen des Anmachwassers schwer losliche Calciumverbindungen, die sich bevorzugt auf den СзА-Oberflachen abscheiden. Damit wird die Bildung der Hydratphasen verzogert. Fruher haufig eingesetzte makromole – kulare Verbindungen wie Methylcellulose, Dextrin und Casein bilden Schutzkolloide und verzogem so das Inlosunggehen der schnell reagierenden Zementbestandteile.

Beschleuniger (BE) werden nach DIN 934 in Erstarrungsbeschleuniger und Erhartungsbe- schleuniger unterteilt. Erstarrungsbeschleuniger sollen den Zeitraum zwischen dem plas­tischen und dem festen Zustand des Betons verkurzen. Sie werden beim Betonieren bei tie – fen AuBentemperaturen (Gefrierschutz fur jungen Beton!), als Beschleuniger fur Spritzbe – ton im Tunnelbau und zur Abdammung von Wassereinbriichen im Stollen – und Tunnelbau eingesetzt. Erhartungsbeschleuniger sind dagegen Zusatzmittel, die das Erreichen einer bestimmten Anfangsfestigkeit beschleunigen sollen. Sie werden ebenfalls fur das Betonie­ren bei tiefen AuBentemperaturen sowie fur die Fnihfestigkeitssteigerung von Betonwaren eingesetzt.

Fruher kamen als Beschleunigersubstanzen vor allem Chloride (z. B. CaCl2) zum Einsatz. Nach DIN 1045 sind jedoch chloridhaltige sowie andere die Stahlkorrosion fordemde Stoffe fur Stahl – und Spannbeton nicht mehr zulassig. Heute kommen in der Spritzbeton – anwendung vor allem Erstarrungsbeschleuniger zum Einsatz. Sie werden anhand des Alka – ligehalts und des pH-Wertes in alkalihaltige und alkalifreie Vertreter unterteilt. Der Begriff „alkalifrei44 ist ein vom DIBt fur diesen Beschleunigertyp eingefuhrter Terminus, exakter musste es,,alkaliarm“ heifien. Zu den stark alkalisch reagierenden Stoffen gehoren Alkali – metallsilicate (Natron – und Kaliwasserglas), Aluminate und Alkalimetallcarbonate. Bei den stark alkalisch reagierenden Stoffen treten oft unerwiinschte Belastigungen des Verarbeiters wie Hautveratzungen und Augenentzundungen auf. Durch Einatmen des beim Verarbeiten entstehenden Staubes kann es zu einer Sehadigung der Atemwege kommen. Dariiber hinaus konnen durch Auslaugung des Betons (Wechselwirkung von Bergwasser mit Tunnelbeton!) Alkalien in das Grundwasser gelangen. Als alkalifreie Beschleunigersubstanzen werden vor allem amorphes Aluminiumhydroxid bzw. Aluminiumsulfat oder Mischungen von beiden eingesetzt.

Beschleuniger erhohen im Allgemeinen die Friihfestigkeit, reduzieren aber haufig die End – festigkeit. Sie vergroBem das Schwinden, was zur Rissbildung fiihren kann. Chemisch ge – sehen bewirken sie eine beschleunigte Hydratation der Zementkomponenten.

• Einpresshilfen (EH) finden vor allem im Spannbetonbau Anwendung. Sie verbessem die Eigenschaften von Einpressmortel durch Erzielung eines (mafiigen) Quelleffekts. Die Quellwirkung wird durch Zugabe von Aluminiumpulver als Einpresshilfe erreicht. Das Aluminium lost sich im alkalischen Milieu unter H2-Entwicklung auf (Gl. 8-17). Der damit verbundene Treibeffekt (VolumenvergroBerung) soli dem normalen Schwinden entgegen – wirken. EH wirken verfliissigend, vermindem die Sedimentation des Zementleims und er­hohen die Frostbestandigkeit des Mortels.

• Stabilisierer (ST) sind Betonzusatzmittel, die das Absondem von Anmachwasser des Frischbetons (,,Bluten“) verhindem sollen. Entmischungen soil entgegengewirkt werden. Bei den ST handelt es sich um wasserbindende Zusatze, die in der Lage sind, im alkali­schen Milieu des Betons Wasser zu binden und es in nachfolgenden Gleichgewichtsreakti – onen fur die ablaufenden Hydratationsvorgange wieder zur Verfugung zu stellen. Als Sta­bilisierer kommen vor allem losliche organische Polymere mit langen Molekiilketten, wie z. B. Polyethylenoxid und Polysaccharide (Cellulose – und Starkeether), zum Einsatz. Die makromolekularen Verbindungen halten fiber ihre polaren OH-Gruppen und O-Atome Wassermolekiile fest (Wasserstoffbriickenbindungen!) und bauen so Hydrathullen auf. An­wendung finden die ST vor allem bei Pumpbeton (Verhinderung der Entmischung), bei Leichtbeton, um ein,,Aufschwimmen“ von leichten Gesteinskomungen zu verhindem so – wie um einer zu starken Wasserabsaugung durch den Untergrund (Mauersteine) entgegen – zuwirken ( Wasserretentionsmittel).

Chromatreduzierer (CR), siehe Кар. 8.3.5.2).