Eigenschaften von Bindemitteln auf der Basis von CaS04

Ausgehend vom Chemismus der Bindemittel auf der Basis von CaS04 lassen sich die nach – folgenden Eigenschaften und Hinweise fur ihre Verwendung ableiten:

Gipslosung reagiert chemisch neutral. Im Unterschied zur basischen Reaktion des Ze – mentmortels und Betons reagiert eine Gipslosung weitgehend neutral (pH-Wert ~7). Damit ist fur Eisen und Stahl kein Rostschutz gegeben, Stahlteile miissen durch Schutzanstriche (z. B. Lacke, Bitumen) geschutzt werden.

Relativ hohe Wasserloslichkeit des Dihydrats. CaS04 • 2 H20 besitzt bei normalen Tem – peraturen eine verhaltnismaBig hohe Wasserloslichkeit (ca. 2 g/Liter). Gips ist daher nur an Bauteilen zu verwenden, die nicht standiger Feuchtigkeit ausgesetzt sind bzw. mit flieBen – dem Wasser in Beruhrung kommen. Kurzzeitige Feuchtigkeitsaufnahme, z. B. in Woh – nungskiichen und – badem, fuhrt zu keinen Schaden, obwohl naturlich die Festigkeit redu – ziert wird. Dauemde Durchfeuchtung mit Wasser sowie standige Einwirkung von Tempe – raturen > 60°C fiihren zu Loseerscheinungen und Gefugeveranderungen. Damit ist Gips fur den AuBenbau und fur extrem feuchte Raume wie Hallenbader nicht geeignet. Wegen ihrer Wasserloslichkeit durfen Gipse nicht mit Zementen und/oder hydraulischen Kalken verar­beitet werden, da ansonsten bei spaterer Durchfeuchtung das Gefuge zerstort wird (Кар. 9A2.2, Sulfattreiben). Aus dem gleichen Grunde ist auBerste Vorsicht bei der Verarbeitung von Gipsmortel auf Beton oder zementgebundenem Untergrund geboten.

Gips wirkt feuchtigkeitsregulierend. Gipsbauteile und – flachen besitzen aufgrund ihres hohen Porengehaltes im trockenen Zustand ein beachtliches Saugvermogen fur Wasser (Wasseraufnahme bis zu 50% ihrer Eigenmasse), das aber ebenso schnell wieder abgegeben
werden kann. Gips ist „atmungsaktiv44, deshalb sind Gipsplatten fur den Ausbau von Wohn – raumen besonders empfehlenswert.

Feuerschutzwirkung von Gipsstein und Gipsbaustoffen. Gipsbaustoffe wirken feuer – hemmend, da das in der Hitze verdampfende Kristallwasser die Temperatur am Brandherd emiedrigt. Gipsplatten besitzen eine hohe Feuerschutzwirkung.

Volumenzunahme beim Abbinden. Da die Bildung von Dihydrat durch die Aufnahme von Kristallwasser mit einer Volumenzunahme von etwa 1% verbunden ist, kann das Auf – treten von Schwindrissen bei Gipsputzen bzw. die Lockerung von Verdubelungen weitge – hend ausgeschlossen werden. Feinste Unebenheiten konnen ausgeglichen werden.

Lagerung und Verarbeitung. Baugipse mussen stets trocken gelagert werden, damit sich keine Dihydrate bilden. Um eine Klumpenbildung (lokale Hydratation!) zu vermeiden, sollen beim Anmachen die Halbhydrate immer in das Wasser eingestreut werden. Der Ab – bindeprozess darf nicht durch mechanische Einflusse unterbrochen werden, da es ansonsten zu einer Storung der Ausbildung der Kristallstruktur kommt. Saubere GefaBe benutzen, da alte Gipsreste als Kristallisationskeime wirken und die Verarbeitungszeit verkurzen!