Einleitende Bemerkungen

Zu den Innenraumen gehoren zunachst alle Raume in Gebauden, die nicht nur zum vorubergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, also alle Wohnraume vom Kel­

ler bis zum Dachstuhl, daruber hinaus Burns und offentliche Gebaude wie Kindergarten, Schulen, Sporthallen und Krankenhauser. Im weiteren Sinne rechnet man auch mobile Fahrzeuginnenraume (Pkw, offentliche Verkehrsmittel) zu den Innenraumen [UC 1]. Diese Definition bezieht sich aber nicht auf Arbeitsraume, in denen mit bestimmten Chemikalien umgegangen wird. Hier gelten spezielle Arbeitsschutzbedingungen fur den Umgang mit Gefahrstoffen. Wenn es um Verunreinigungen der Innenraumluft geht, spricht man im Ge – gensatz zu Luftverunreinigungen am Arbeitsplatz (-> МАК-Wert, Кар. 5.4.2.2.1) von In – nenraumluftbelastung (engl. indoor air pollution).

Im Gegensatz zum Arbeitsbereich halten sich in Innenraumen auch Personengruppen wie Kinder, alte und kranke Menschen auf, die als besonders empfindlich gelten. So sind Kin­der einer etwa doppelt so hohen inhalativen Dosis, ausgesetzt wie erwachsene Menschen, da bei den Kindem das Verhaltnis von Atemvolumen pro Minute zu Korpergewicht deut – lich hoher liegt.

Tabelle 12.1 Konzentrationen einiger Bestandteile von Innenraumluft [UC 1]

Stoff, Stoffgruppe

Konzentration in Innen­raumen (in mg/m3)

MAK (in mg/m3)

Schwefeldioxid (S02)

0.02

… 0,08

5

Kohlenmonoxid (CO)

1

… 10

35

Kohlendioxid (C02)

500

…2000

9100

Stickstoffdioxid (N02)

0,02

… 0,08

9,5

Ozon (03)

0,04

… 0,4

0,2

Formaldehyd (H-CHO)

0,01

… 1

0,62

Benzol (C6H6)

0,003

… 0,03

815

Toluol C6H5-CH3

0,02

… 0,2

190

Halogenkohlenwasserstoffe

0,001

k) TRK-Wert, s. Кар. 10.2

In Innenraumen gelten fur den Abbau, die Umwandlung und den Transport der Schadstoffe einige Charakteristika, die sich von den jeweiligen Prozessen im AuBenbereich oder in anderen Umweltmedien zum Teil deutlich unterscheiden. So sind einige wichtige Abbau – mechanismen, wie sie im AuBenbereich ablaufen, in Innenraumen zu vemachlassigen. Zu nennen sind der Abbau der Schadstoffe durch UV-Licht (Photolyse) und der hydrolytische Abbau von Stoffen (Reaktion mit H20). Eine Verdunnung der Schadstoffe, wie sie im Freien durch die AuBenluft erfolgen kann, ist in Innenraumen nur eingeschrankt moglich. Im Gegenteil, durch das Adsorptionsvermogen der Staube sowie der Mobel und Teppiche reichem sich schwer fluchtige Substanzen an ihrer Oberflache an, was zu einer signifikan – ten Erhohung der Konzentration dieser Schadstoffe fuhrt. Mit dem Ubergang zu einer effektiveren Warmedammung und zunehmend dichteren Fenstem hat sich der Austausch der Luft zwischen Innenraum und AuBenbereich deutlich verringert. Dazu kommt, dass die Anzahl der Chemikalien, die tiber die Baustoffe, die Einrichtungsgegenstande und die Haushaltsprodukte in die Innenraumluft gelangen, in schwindelerregender Weise zuge – nommen hat. Die Folge ist, dass die Konzentration an bestimmten Innenraum-Luftinhalts – stoffen in der GroBenordnung der MAK – bzw. TRK-Werte (Tab. 12.1) liegt und die ent – sprechenden Konzentrationen in der AuBenluft (z. B. leicht fluchtige Halogenkohlenwasser- stoffe, C02, CO, Formaldehyd und PCB) sogar teilweise ubertrifft.