Holzschutz

Holz ist als kapillarporoser Werkstoff hygroskopisch. Es kann solange Feuchtigkeit aus der Umgebung (in der Regel aus der Luft) aufnehmen oder wieder abgeben, bis sich ein Gleichgewichtszustand eingestellt hat. Dieses Gleichgewicht ist abhangig von der Tempe – ratur, vom Luftdruck und von der relativen Luftfeuchtigkeit. Durch zu schnelles Austrock – nen, zu geringe Wassergehalte in den Baumen bei groBer Trockenheit sowie plotzlich ein – setzenden Frost werden im Holz innere Spannungen erzeugt, die zu Rissen fiihren konnen. GroBe und Art der Risse beeintrachtigen die Verwendbarkeit des Holzes teilweise betracht- lich. Auch Harzquellen, d. h. im Querschnitt sichtbare, schmale Spalte, die sich mit Harz gefiillt haben, mindem die Festigkeit des Holzes und erschweren die Oberflachenbehand – lung. Sie sind vor allem bei harzfuhrenden Nadelbaumen anzutreffen. Durch den standigen Einfluss von Niederschlagswasser kann die Oberflache von Bauholz im Freien bis zu 0,1 mm pro Jahr abgetragen werden.

Die Zerstorung des Holzes durch Witterungseinflusse (Warme, Kalte/Frost, Temperatur – wechsel und UV-Strahlung) und durch chemische Einfliisse (Saurer Regen, Salzlosungen) tritt in ihrer Bedeutung jedoch weit hinter diejenige zurUck, die durch lebende Holzzerstorer wie Insekten und Pilze hervorgerufen wird.

Holzzerstorende Insekten befallen das Holz im Wald, auf dem Holzlagerplatz („Frisch – holzinsekten“) oder aber im bereits verbauten trockenen Zustand (,,Trockenholzinsekten“). Zu nennen sind Kafer wie z. B. der Hausbock, der Gemeine Nagekafer oder der Braune Splintkafer. Sie befallen und zerstoren Bau – und Werkholz. Borkenkafer und Holzwespen gehoren zu den Frischholzzerstorem. Sie greifen nur lebende krankelnde Baume bzw. frisch gefalltes Holz (> 20% Holzfeuchte) an. In den Tropen sind weniger die Kafer, sondem vielmehr Termiten die am meisten gefiirchteten Holzzerstorer.

Hauptursache fur einen Pilzbefall ist die Feuchtigkeit. Holz mit einem Feuchtigkeitsgehalt oberhalb des Fasersattigungspunktes (28…30% rel. Holzfeuchte) ist prinzipiell hinsichtlich eines Pilzbefalls gefahrdet. Der optimale Feuchtigkeitsbereich ftir das Pilzwachstum liegt zwischen 30…50% rel. Holzfeuchte, unter gewissen Umstanden kann aber bereits ein Befall bei Feuchten von 20% eintreten. In vollkommen trockenem oder vollkommen durchnass – tem Holz (z. B. Muhlrader) laufen kaum Schadigungs – und Faulnisprozesse ab. Ein weiteres Kriterium ftir die Entwicklung der Pilze ist die Temperate. Das charakteristische Tempe- raturoptimum fur das Wachstum der meisten Pilze liegt zwischen 20…25°C. Oberhalb und unterhalb des kritischen Temperaturbereichs ftir das Pilzwachstum (min. 3°C, max. 40°C verfallen die Pilze in eine Wachstumsstarre.

Allen holzzerstorenden Pilzen ist gemeinsam, dass sie die Zellwande der Holzzellen ab – bauen und damit Faulnis verursachen. So wird durch den Angriff von Braunfaule- und Weififaulepilzen die Holzstruktur zerstort und damit die Festigkeit des Holzes stark gemin – dert. Das kann im Endstadium bis zur Pulverisierung des Holzes ftihren. Moderfaule durch Ascomyceten tritt vor allem an Holzem mit standigem Erdkontakt wie Masten, Pfahlen und Schwellen auf. Die Folge eines Blauepilzbefalls konnen Verfarbungen des Holzes und eine Zerstorung des Anstrichfilms sein. Auch Schimmelpilze verursachen Holzverfarbungen. Sie wachsen jedoch nur auf der Holzoberflache, ohne tiefer in das Innere vorzudringen. Schimmelpilze benotigen Feuchtigkeitsgehalte oberhalb des Fasersattigungspunktes. Ent – zieht man ihnen die Feuchtigkeit, sterben sie ab und konnen abgeburstet werden.

Obwohl gerade in jungster Zeit vermehrt iiber Ansatze zu einer „rein biologischen Abwehr“ des Angriffs von Pilzen und Insekten auf Holz nachgedacht wird, ist man gegenwartig im Holzschutz immer noch auf den Einsatz von Chemikalien angewiesen. Und zwar sowohl von klassischen Holzschutzmitteln (HSM) wie anorganischen Salzen und Teerolen als auch von Neuentwicklungen wie den so genannten SchlupfVerhinderungsmitteln oder den Chitinsynthesehemmem zur Bekampfung holzzerstorender Insekten. Am letztgenannten Beispiel wird eine modeme Entwicklungsrichtung deutlich: Entwicklung von HSM, die spezifisch in den Stoffwechsel eingreifen und dabei das Gefahrenpotential ftir Nichtzielor – ganismen minimieren.

Man unterscheidet generell zwischen baulichen und chemischen HolzschutzmaBnahmen. Auf den baulichen, d. h. konstruktionsbedingten Holzschutz, soli im Rahmen des vorliegen – den Buches nicht eingegangen werden.

Der Nutzen des Holzschutzes ftir den Menschen liegt auf der Hand. Er besteht in einer Ver- langerung der Nutzungsdauer des eingesetzten Holzes und damit in der Werterhaltung. Dabei wird gleichzeitig ein umweltpolitischer Nutzen sichtbar: Durch HSM wird das Na – turprodukt Holz zu einem vielseitig einsetzbaren Baustoff. Der Holzschutz ermoglicht die Verwendung einheimischer Holzer mit geringerer Dauerhaftigkeit, vor allem die Verwen – dung der als nachhaltige Rohstoffe kultivierten und in ausreichender Menge zur Verfugung stehenden Nadelholzer, obwohl sie im Unterschied zu einigen anderen einheimischen oder zu tropischen Holzem weniger resistent gegen Holzschadlinge sind.