Recyclingbaustoffe: Charakterisierung und Einteilung

Recyclingbaustoffe sind Materialien, die bereits mindestens einmal als Baustoff eingesetzt worden sind und nun fur eine weitere BaumaBnahme verwendet werden sollen. Dabei kon – nen sie entsprechend dem neuen Verwendungszweck aufbereitet oder aber unaufbereitet eingesetzt werden. Recyclingbaustoffe fallen beim Ruckbau, beim Aufbruch und Ausbau von Hoch – und Tiefbauten, von StraBen und Flughafen, von Schienenwegen u. a. an. Es handelt es sich uberwiegend um ungebundene Mineralstoffgemische, um hydraulisch ge – bundene oder bitumenhaltige Stoffe.

Zu den ungebundenen Baustoffen zahlen Schotter und Gleisschotter, Werksteine aus Natur – steinen, Mineralstoffgemische, ungebundene Tragschichten u. a. Sie konnen im Allgemei – nen mit geringem Aufwand der Wiederverwendung im StraBenbau zugefuhrt werden, vo – rausgesetzt sie sind nicht schadstoffbelastet. Zu den hydraulisch gebundenen Baustoffen gehoren vor allem Beton, Stahlbeton, Fahrbahndecken, Bordsteine, Platten und zu den bi – tumenhaltigen Baustoffen vor allem Asphaltaufbruch und Frasgut.

Der Begriff Baureststoffe ist unter Zugrundelegung des KrW-/AbfG sowie in Anlehnung an die Verordnung zur Einfuhrung des Europaischen Abfallkatalogs (EAKV) vom 13.09.1996 gleichzusetzen mit der EWC (European Waste Catalogue)-Nr. 17: „Bau – und Abbruchabfalle“. Sie werden unterteilt in:

• Bauschutt (EAK-Nr. 1701): Beton, Blahton, Erdreich, Fliesen/Keramik, Gips, Kalkstein, Steinwolle und Ziegel.

Bauschutt ist im Wesentlichen mineralisches Material, das vor allem bei BaumaBnah – men im Hoch – und Tiefbau anfallt. Er ist in der Regel heterogen zusammengesetzt und mitunter mit organischen Materialien verunreinigt. Bauschutt wird zur Zeit noch uberwiegend deponiert.

• StraBenaufbruch (EAK-Nr. 1703): bitumenhaltige und hydraulisch gebundene Stoffe, teerhaltige und mit Teer behandelte Stoffe, Pflaster – und Randsteine, Sand, Kies und Schotter.

StraBenaufbruch entsteht beim Ruckbau, Ausbau und der Instandsetzung von StraBen, Wegen oder verfestigten Flachen. Er besteht aus mineralischem Material, das entwe – der mit Bitumen oder Teer gebunden oder ungebunden beim StraBenbau verwendet wurde. StraBenaufbruch wird zu 60…70% wiederverwendet. Fur die Verwertung von teerhaltigen Deck – und Binderschichten gelten gesonderte Vorschriften, s. u.

• Baustellenabfalle (EAK-1707): Farben, Holz, Kabel, Kunststoffe, Lacke, Kleister, Metall, Pappe und Papier.

Baustellenabfalle sind Baureststoffe, die bei Neubauten bzw. Sanierungen, dem Aus­bau oder dem Abriss von Gebauden anfallen. Sie enthalten, wie die obige Aufzahlung zeigt, viele verschiedenartige Materialien.

Erdaushub (EAK-Nr. 1705): Lehm/Ton, Mutterboden, Sand und Kies, Steine.

Der Erdaushub kann unbelastet oder durch Schadstoffe belastet sein. Unbelasteter Erdaushub besteht aus natUrlichem oder bereits verwendetem Erd- oder Felsmaterial. Er fallt bei nahezu alien Bautatigkeiten an und muss als ein wertvolles Wirtschaflsgut betrachtet werden. Erdaushub wird praktisch vollstandig wiederverwendet und nicht auf Deponien abgelagert. 1st der Erdaushub kontaminiert, fallt er in den Bereich der Altlastensanierung. Je nach Reinheitsgrad und Zusammensetzung wird er im StraBen – bau, fur Dammschuttungen oder fur Larmschutzwalle verwendet.

Die einzelnen Gruppen waren prozentual am Gesamt-Baurestaufkommen 1997 (285 Mio. t) wie folgt beteiligt: Erdaushub 75,5%, Straflenaufbruch 9,1%, Bauschutt 10,5% und Bau – stellenabfalle 4,9% [AB 22, 23]. Diese Aufteilung des Baurestaufkommens hat sich bis heute nicht wesentlich verandert.

Der hohe Anted anfallender Baureststoffe macht deutlich, dass eine Wiederverwertung unabdingbar notwendig ist. Deponieraum in diesen GroBenordnungen ist nicht verfugbar. Die in groBen Mengen verwendeten „Massenbaustoffe44 wie Kies, Sand, Schotter oder Splitt konnen, wenn sie z. B. als ungebundene Tragschichtmaterialien eingesetzt werden, unbe- denklich durch Altemativmaterialien aus dem Recyclingbereich ersetzt werden. Allerdings findet in diesem Bereich angesichts der enormen Mengen anfallenden Bauschutts nur ein geringer Teil der aufgearbeiteten Baustoffe Wiederverwendung. Lediglich 3% des Beton – abbruchmaterials dienen der Herstellung von neuem Beton. Der groBte Teil wird im Stra – Benbau oder im Tiefbau als Verfullmaterial verwendet. Hier handelt es sich immer noch hauptsachlich um ein Downcycling anstelle von Recycling, d. h. vormals hoherwertige Bau­stoffe werden als minderwertigere Baustoffe wiederverwendet. Ein wichtiger Grund fur diese unbefriedigende Situation besteht darin, dass es sich bei dem Abbruchmaterial in den seltensten Fallen um eine Monocharge (Beton) handelt. Um ein qualitativ hochwertiges Recyclat zu erhalten, ist jedoch ein Betonbruch notwendig, der frei von storenden Stoffen ist und der eine hohe Sortenreinheit aufweist.

Erster Schritt in Richtung qualitativ hochwertiger Recyclate ist eine entsprechende Vorsor – tierung des Bauschutts im Rahmen eines selektiven Abbruchs. Die jeweilige Aufbereitungs – technik hangt wesentlich von der Art und der Zusammensetzung des Eingangsprodukts und der beabsichtigten Qualitat (Komung, Komverteilung, Reinheit) des Endprodukts ab. Bau – schuttaufbereitungsanlagen bestehen aus Zerkleinerungsanlagen (Brecher), Siebmaschinen, Magnetabscheidem, mechanischen Sortieranlagen (Windsichter, Schleuderbander), Ein – richtungen zur manuellen Sortierung und Forderanlagen zum Materialtransport. Zusatzliche Schutzeinrichtungen wie Entstaubungsanlagen und Filter sind moglich. Die Aufbereitungs – anlagen konnen stationar und mobil betrieben werden. Details zum Aufbau und zur Ar – beitsweise von Bauschuttaufbereitungsanlagen siehe [AB 25].