Satz von Hess

Es gibt zahlreiche Falle, wo die Produkte auf verschiedenen Reaktionswegen gebildet werden konnen oder aber die Bildung der Reaktionsprodukte uber Zwischenstufen oder Teilreaktionen erfolgt. Hess konnte bereits 1840 zeigen, dass die Reaktions­enthalpie nur vom Anfangs – und Endzustand des Systems abhangt, nicht aber vom Reaktionsweg.

Die Enthalpieanderung einer chemischen Reaktion entspricht der Summe der Reaktionsenthalpien der Teilreaktionen (Satz von Hess).

Nach dem Satz von Hess ist es moglich, Reaktionsenthalpien auch von experimentell nicht zuganglichen Reaktionen zu ermitteln. Das klassische Beispiel ist die experi – mentelle Bestimmung der Bildungsenthalpie von Kohlenmonoxid durch Verbrennung von Kohlenstoff. Sie ist kalorimetrisch nicht zuganglich, da bei der Verbrennung von Kohlenstoff im Sauerstoffunterschuss stets CO und C02 nebeneinander entstehen.

C02

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Experimentell bestimmbar sind die Reaktionsenthalpien fur die Verbrennung von Kohlenstoff zu C02 und von CO zu C02

CO(g) + И Ozfe) —C02(g) AHr2° = AHy° (CO) = -283 kJ/mol

(AHy Verbrennungsenthalpie).

Die gesuchte Reaktionsenthalpie AHr$° (= AHB (CO)) ergibt sich demnach zu

AHR3° – AHR1° – AHr2° = AHB0(C02)-AHy0(CO) = -111 kJ/moL

Unter Anwendung des Satzes von Hess und der auf den Standardzustand bezogenen Bildungsenthalpien kann man die Reaktionsenthalpien beliebiger chemischer Reakti – onen berechnen. Dabei konnen die Teilreaktionen durchaus hypothetisch sein, d. h. es ist nicht notwendig, dass sie auch experimentell durchfuhrbar sind.