Saurer Regen und Folgeschaden

Im Zuge der Selbstreinigung der Atmosphare werden wasserlosliche Stoffe durch den Re­gen oder andere Niederschlage ausgewaschen. Auf diese Weise gelangen die Schadgase wieder zuriick zur Erde. Regenwasser, das im Wesentlichen nur in Kontakt mit dem C02 der Luft steht (Reinluftgebiete), besitzt einen pH-Wert von ca. 5,6 (C02-Sattigung!). Es wird mitunter als „Sauberer Regen “ bezeichnet.

Da Regenwasser stets mehr oder weniger grofie Mengen an geldstem C02 enthalt, besitzt es niemals den pH-Wert 7 (neutral). Es reagiert immer schwach sauer.

Saurer Regen. In Ballungs – und Industriegebieten liegt der pH-Wert des Regens deutlich unter 5,6. Verantwortlich fur die Absenkung des pH-Wertes sind Schwefelverbindungen und Stickoxide – oder genauer gesagt, die sich aus ihnen bildenden Sauren H2S04 und HN03, neben HC1. Der Anteil dieser Sauren an der Aciditat des so genannten Sauren Re­gens wurde wie folgt bestimmt: H2S04 (83%), HNO3 (12%) und HC1 (5%) [UC 1].

In der BRD geht man heute von einem mittleren pH-Wert des Regens zwischen 4,5…5,0 aus. In der Vergangenheit wurden in Ballungsgebieten pH-Werte unter 3,0 gemessen. Sau­rer Regen fiihrt zu einer Versauerung der Oberflachengewasser und – besonders bei kalk – armen Boden mit einer geringen Pufferkapazitat – zu einer Bodenversauerung.

Fur Lander, die einen GroBteil des Trinkwassers aus Oberflachenwasser erzeugen, ist die standige Kontrolle des pH-Wertes von Seen und Flussen lebensnotwendig. Gesunde Seen besitzen pH-Werte um 7, d. h. sie sind neutral. Beim Unterschreiten eines pH-Wertes von

5,5 gelten die Gewasser als ubersauert, bei pH-Werten < 5 sterben die Lebewesen ab. Die Gewasser sind,,tot“.

Saurer Regen schadigt auch Baustojfe und damit Bauwerke in starkem MaBe. Sowohl car – bonathaltige Putze und Betone als auch Natursteine wie kalkig gebundene Sandsteine wer­den angegriffen (Кар. 9.4). Metalle korrodieren unter dem Einfluss saurer Gase bzw. des Sauren Regens schneller (Кар. 8.2), Glaser und Glasgemalde alter Bauwerke werden zer – stort.

In diesem Zusammenhang soli noch auf das vieldiskutierte Problem des ,,Waldsterbens“ eingegangen werden. Urspriinglich wurden auftretende Waldschaden unmittelbar der Pro – duktion von Rauchgasen angelastet, standen die geschadigten Walder doch meist im Ein – flussgebiet grolier Braunkohlen – oder Steinkohlenkraftwerke. Seit den achtziger Jahren treten jedoch gehauft groBflachige Waldschaden in weniger belasteten Gebieten auf. Man erkannte bald, dass die sauren Gase (S02, NOx und HC1) – ob gasformig oder im Nieder – schlagswasser gelost – nicht die alleinigen und direkten Schadensfaktoren der sogenannten Neuartigen Waldschaden sein konnen. Heute geht man von einem Ursachenkomplex unterschiedlicher biotischer und abiotischer Faktoren aus. Die Luftverunreinigungen aus anthropogenen Quellen (Industrieanlagen, Kraftwerke, Verkehr, Haushalte, Landwirt – schaft) spielen dabei eine Schliisselrolle.

Ursachen der Neuartigen Waldschaden:

• Wirkung anthropogen emittierter Luftschadstoffe und Photooxidantien (S02, NOx, NH3, Staube, Herbizide, 03)

• Versauerung der Waldboden

• Witterungsbedingte Ursachen (Trockenheit, Schneebruch, starke Temperaturstiirze)

• Schadlingsbefall (Viren, Bakterien, Pilze, Insekten) und Wildverbiss

• Mangel bei der forstwirtschafitlichen Bewirtschaftung (Monokulturen, mangelnde Dtin – gung, unzureichende Waldpflege, ungeeignete Baumarten) und Bodenversiegelung.