Schwarze Ablagerungen in Wohnungen (,,Fogging“)

Im Winter 1995/96 trafen beim Umweltbundesamt erste Anfragen nach den Ursachen plotzlich auftretender, ruBahnlicher schwarzer Flecken und olig schmieriger Ablagerungen auf Tapeten, Fensterrahmen, Steckdosen, Fliesen und anderen Einrichtungsgegenstanden ein. Die schwarzen Ablagerungen bildeten sich innerhalb von Tagen bzw. innerhalb weni – ger Wochen. Selten war nur ein Raum betroffen, meist traten die schwarzen Flecken in mehreren Raumen einer bestimmten Wohnung auf. Im Sommer verschwinden die Ablage­rungen haufig wieder, treten eventuell im nachsten Winter jedoch emeut auf. Das Phano – men der schwarzen Flecken wird in der Literatur als „Fogging66 bezeichnet. Der Begriff stammt aus der Automobilbranche. Hier bezeichnet man die Ausbildung eines Films auf der Windschutzscheibe von Neufahrzeugen infolge von Ausgasungen schwer fluchtiger Be – standteile aus Kunststoffbauteilen als Fogging.

Die genauen Ursache-Wirkungs-Beziehungen fur das Auftreten dieser ,,Schwarzstaub-Ab – lagerungen66 {Magic Dust) im Wohnbereich sind bis heute nicht vollstandig geklart. Es ist noch nicht klar, welchen Beitrag a) die Bewohner mit ihrem Wohnverhalten, b) die Be – schaffenheit des Gebaudes und c) die Zusammensetzung der verwendeten Bauprodukte und Einrichtungsgegenstande im Einzelnen auf die Entstehung dieser schwarzen Ablagerungen leisten.

Im Ergebnis zahlreicher Studien und Analysen sowie von Fragebogenaktionen vor allem durch das Umweltbundesamt konnen gegenwartig eine Reihe von Ursachen fur dieses Pha – nomen angegeben und grundsatzliche Zusammenhange aufgezeigt werden. Folgende all – gemeingultige Aussagen wurden erhalten:

• Die schwarzen Ablagerungen werden ausschlieBlich in der Heizperiode zumeist als schwarz-grauer, olig-schmieriger Belag sichtbar.

• Haufig handelt es sich um neu gebaute oder sanierte bzw. renovierte Wohnungen.

• Kalte Wandbereiche, Warmebrucken und die Art der Luftstromung sind entschei – dende Faktoren beim Auslosen dieses Phanomens.

Deshalb sind die Ablagerungen vor allem an Stellen hoher Luftbewegung, z. B. um den Heizkorper (Abb. 12.2 links), entlang der Wand, der Fenster und Gardinen, ober – halb der Heizquellen und an Stellen verminderter Oberflachentemperatur (Zimmer – ecken, Abb. 12.2 rechts) am starksten.

Eine Gesamtubersicht tiber mogliche Ursachen und Einflussfaktoren ist in Abb. 12.1 gege – ben.

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Abbildung 12.1 Fogging: Mogliche Ursachen und Einflussfaktoren [UC 9]

Die in der Literatur in den vergangenen Jahren beschriebenen schwarzen Ablagerungen im Wohnbereich hatten oft einen anderen Entstehungshintergrund. Es handelte sich vor allem um RuB aus Schomsteinen und Kaminen, von Kerzen und vom Tabakrauch. Die Analyse der hier besprochenen Schwarzstaub-Ablagerungen ergab in nahezu keinem Fall Hinweise auf hohere Konzentrationen an Verbrennungsriickstanden wie z. B. RuB oder polycyclische Aromaten. Da das Problem offensichtlich in Zusammenhang mit gerade erfolgten Bau – und RenovierungsmaBnahmen aufiritt, miissen die Hauptgriinde auf diesem Gebiete liegen. Die Hersteller zahlreicher Produkte des Bau – und Heimwerkerbereichs setzen vermehrt hoher siedende organische Verbindungen ein. Damit steigt die Konzentration an mittel – und an schwer fluchtigen organischen Stoffen (SVOC) im Innenraum an. Besonders hoch ist sie im Winter bei Heizungsbetrieb und verminderter Liiftung. Mittels chemischer Analyse hat man vor allem langerkettige Alkane, langkettige Alkohole (,,Fettalkohole“, z. B. Tetradecanol, Hexadecanol, Octadecanol), gesattigte und ungesattigte Fettsauren (Stearin – und Palmitin – saure, Olsaure, Linol – und Linolensaure) und deren Ester sowie Phthalsaureester nachge – wiesen.

Die mittel – und schwer fluchtigen organischen Verbindungen spielen beim Fogging eine extrem wichtige Rolle. Ihre Anwesenheit in der Innenraumluft genugt allerdings noch nicht, um Ablagerungen zu verursachen. Weitere wichtige Faktoren sind

• die baulichen Gegebenheiten (Warmebrucken, Risse)

• die Raumnutzung (Verwendung zusatzlicher Emissionsquellen fur SVOC wie Ol – lampchen, Kerzen; Luftungsverhalten) sowie

• sonstige raumklimatische und Witterungsverhaltnisse (Luftfeuchtigkeit, Elektrosta – tik der Luft).

Um dem Auftreten der schwarzen Ablagerungen vorzubeugen, sollten emissionsarme bzw. emissionsfreie Produkte (Anstrichstoffe, Lacke, Klebstoffe) und Einrichtungsgegenstande verwendet werden. Da mittel – und schwer fluchtige Verbindungen offensichtlich eine der Hauptursache bilden, muss deren Freisetzung weitgehend vermieden werden. Renovierun – gen sollte man am besten im Frtihjahr durchfiihren. Dann haben sich die anfanglichen Aus – gasungen von Bauprodukten und Einrichtungsgegenstanden bis zur nachsten Heizperiode stark reduziert. Abb. 12.2 zeigt schwarze Ablagerungen an exponierten Stellen im Wohn – raum.

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Abbildung 12.2 Fogging: Typische schwarze Ablagerungen uber einem Heizungskorper (links) und in einer Raumecke (rechts).