Teer und Pech

Teer (mittelniederdt. tere das zu Baum gehorende) ist ein aus verschiedenen organischen Verbindungen bestehendes, flussiges bis halbfestes, tiefschwarzes bis braunes Gemisch, das durch trockene Destination (-> Pyrolyse: thermische Zersetzung bei hohen Temperaturen) von organischen Naturstoffen wie Stein – oder Braunkohle, Holz, Torf und anderen fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Die chemische Zusammensetzung der entstehenden Teere ist je nach Ausgangsmaterial recht unterschiedlich. Steinkohlenteer ist beispielweise ein Ge­misch aus weit iiber 1000 Einzelsubstanzen, 500 davon wurden mit Sicherheit identifiziert. Dazu gehoren Benzol, Naphthalin, Phenol, Pyridin, Kresole, Indole, Anthracen, Phe – nanthren u. v. a. In die Diskussion sind die Teere in den 70-80er Jahren vor allem wegen ihres relativ hohen Anteils an polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK, s. Кар. 10.1.1.3) gekommen. PAK, vor allem Benzo[a]pyren (Abb. 10.6), gelten als krebser­zeugend.

GroBte wirtschaftliche Bedeutung besitzt nach wie vor der Steinkohlenteer – mit Abstrichen auch der Braunkohlenteer. Sie gehoren beide zu den Hochtemperaturteeren. Steinkohlenteer wird bei der Verkokung von Steinkohle als tiefschwarze, viskose Fliissigkeit erhalten. Die bei der fraktionierten Destination von Steinkohlenteer anfallenden Teerole sind olige Fliis – sigkeiten. Sie machen etwa 30% des Rohteers aus. Teerole werden zur Gewinnung von aromatischen Verbindungen wie Naphthalin und Anthracen sowie zur Produktion von Heizolen, Impragnierolen fur den Holzschutz und zur Gewinnung von Ru6 genutzt.

image188Abbildung 10.6

Benzo[a]pyren (BaP) als Vertreter der polycyclischen aromatischen Kohlen – wasserstoffe (PAK)

Teerpeche sind die zahflussigen bis festen, teerartigen bis schmelzbaren Riickstande, die bei der Destination der oben genannten Naturstoffe zuriickbleiben. Peche sind Gemische aus hochmolekularen cyclischen Kohlenwasserstoffen und heterocyclischen Verbindungen mit mittleren Molmassen bis ca. 30.000.

Langerfristige Einwirkung von Teer auf die Haut kann Hautveranderungen hervorrufen, die im schlimmsten Falle zu Hautkrebs ftihren konnen. Wegen ihres Gehaltes an PAK sind die Teere und Peche in die Gruppe Ш der MAK-Liste (MAK-Liste III A 1) eingestuft worden. Seit 1987 werden in Deutschland Peche als Bindemittel fur technische Asphalte (evtl. auch in Kombination mit Bitumen) nicht mehr eingesetzt.