Viskositat

Die Viskositat (auch: innere Reibung) beschreibt die Fahigkeit einer Fliissigkeit zu flieBen. Je hoher die Viskositat, umso langsamer flieBt die Fliissigkeit. Die Viskositat wird im We – sentlichen durch die Wechselwirkungskrafte zwischen den Molekulen der Fliissigkeit be – stimmt. Je starker sie sind, umso groBer ist die Viskositat. Treten Wasserstoffbriicken zwi­schen den Molekulen auf, werden besonders hohe Viskositatswerte gemessen.

Die Viskositat wird physikalisch durch den Reibungswiderstand bei gegenseitiger Ver – schiebung parallel liegender Schichten definiert. Die dynamische Viskositat r entspricht der Kraft, die erforderlich ist, um zwei gleich groBe Schichten A und B, die durch den zu betrachtenden Stoff voneinander getrennt sind, gegeneinander zu verschieben. Die zugeho – rige Einheit ist mPa-s.

Aufgrund der vorhandenen Wasserstoffbriickenbindungen besitzt Wasser eine hohere Vis­kositat (t] = 1,002 mPa-s) als etwa Tetrachlorkohlenstoff CC14 (ц = 0,969 mPa-s) oder Ben­zol С6Нб (г| = 0,647 mPa-s); alle Werte bei 20°C. Mit ansteigender Temperatur nimmt die Viskositat des Wassers ab: ti(40°C) = 0,656 mPa-s, ц(60°С) = 0,469 mPa-s, r](80oC) = 0,355 mPa-s und ri(100°C) = 0,282 mPa-s. Die Viskositatsabnahme ist durch den fort – schreitenden Abbau des durch die Wasserstoffbriicken bewirkten Netzwerkes und die zu – nehmende thermische Bewegung der H20-Molekule bedingt. Bei Olen (z. B. Schwerol) riihrt die hohe Viskositat vor allem von den Dispersionskraften zwischen den Molekulen und der Verknaulung der langen Kohlenwasserstoffketten her.

Amorphe Stoffe (Кар. 3.5) wie Glas, Pech oder Siegellack werden in der Regel dem festen Aggregatzustand zugeordnet. Deformierenden Kraften gegeniiber verhalten sie sich wie Fliissigkeiten extrem hoher Viskositat. Damit befinden sie sich an der Grenzlinie zwischen dem festen und dem flussigen Zustand. Chemisch korrekt wird Glas als eine unterklihlte Fliissigkeit angesehen, die infolge ihrer hohen Viskositat nicht auskristallisiert (s. Кар. 9.2.3.2.1).