Wasser – Vorkommen und Bedeutung

Das Wasser der Erde besitzt ein Gesamtvolumen von ca. 1,4 Milliarden km3. Der Uberwie – gende Teil (97,23%!) davon ist Salzwasser. Die restlichen 2,77% SuBwasser liegen zu etwa drei Viertel in Form von Polar – und Gletschereis vor [UC 2]. Zieht man vom SuBwasser – anteil auch die fur eine geregelte Trinkwasserversorgung ungeeignete Bodenfeuchte, das Tiefengrundwasser, das Wasser der Biosphare und den Wasserdampf der Atmosphare ab (Tab. 6.1), steht als Trinkwasser nur ein winziger Teil der Gesamtwassermenge, namlich 0,3%, zur Verfugung. Diese Zahl macht deutlich, dass vor dem Hintergrund des explosi- onsartigen Anwachsens der Weltbevolkerung (2010: ca. 6,9 Mrd. Menschen) der Wert des Trinkwassers nicht hoch genug einzuschatzen ist und ktinftig noch weiter steigen wird. Wasser ist in bedeutendem MaBe am Aufbau der Tier – und Pflanzenwelt beteiligt. Bei – spielsweise besteht der Korper eines erwachsenen Menschen zu etwa 70% aus Wasser, bei Kindem liegt der Anted sogar noch etwas hoher. Seine Funktion besteht unter anderem darin, geloste oder suspendierte Stoffe zu den Korperzellen zu transportieren.

Die Atmosphare kann bis zu 4 Vol.-% Wasser zwischenspeichem. Sie gibt es unter ent- sprechenden Druck – und Temperaturbedingungen in flussiger (Regen, Nebel) oder fester Form (Reif, Schnee, Hagel) wieder ab. Eine Reihe von Mineralen speichem Wasser als Kristallwasser (Кар. 6.3.1).

Tabelle 6.1 Die Wasservorrate der Erde [UC2]

Wasservolumen (in 106 km3)

Anteil am Gesamt­volumen (%)

Anteil am StiBwasser – volumen (%)

total

1409

100,0

Weltmeere

1370

97,23

SuBwasser

39

2,77

100,0

davon:

Eis und Schnee

29

2,06

74,36

(Polarkappen usw.) Grundwasser

9,5

0,67

24,36

Oberflachenwasser

0,13

9,23 • 10~3

0,33

Atmosphare

0,013

9,23 • 10-4

3,30 • 10"2

Biosphare

6 • 10“4

4,26 • 10~5

1

0

Wasser H2O ist von fundamentaler Bedeutung fur die Photosynthese der griinen Pflanzen (Gl. 6-1).

n C02 + n H20 —► Cn(H20)n + n02 (6-1)

Diese Reaktion, bei der die Energie des Sonnenlichts ausgenutzt wird, um direkt aus Was­ser und Kohlendioxid in Gegenwart von Chlorophyll Kohlenhydrate Cn(H20)n und Sauer – stoff zu produzieren, stellt die Grundlage fur den uberwiegenden Teil des irdischen Lebens

R. Benedix, Bauchemie, DOI 10.1007/978-3-8348-9944-6_6,

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dar. Sonnenenergie wird in chemische Energie umgewandelt und in den gebildeten organi – schen Verbindungen gespeichert.

Im menschlichen Leben kommt dem Wasser als Lebens – und als Reinigungsmittel eine zentrale Bedeutung zu. Wahrend sich in der BRD der durchschnittliche Trinkwasser – verbrauch pro Person und Tag in der Zeitspanne von 1950 bis 1990 von 85 auf 147 Liter, also um 73%, erhohte, hat er sich im Jahre 2002 auf 128 Liter (alte Bundeslander 138, neue Bundeslander 94 Liter) eingependelt. Diese Werte hangen stark von regionalen Gegeben – heiten ab. In landlichen Gegenden liegt der Verbrauch in der Regel niedriger als in stadti- schen Ballungszentren. Von den 128 Litem werden im Durchschnitt nur 3 bis 5 Liter zum Kochen und Trinken (ca. 3%!) beansprucht. Der Rest wird zum Toilettenspulen (ca. 32%), Baden und Duschen (ca. 30%), Waschewaschen (ca. 14%), Geschirrspulen (ca. 6%), Reini – gen der Wohnung (ca. 3%), zur Korperpflege (ca. 6%), Gartenpflege (ca. 4%) und zur Autowasche (ca. 2%) verwendet.

In der Industrie besitzt das Wasser vielfaltige Bedeutung als Kiihlmittel in der energieer – zeugenden Industrie, als Losungsmittel und Rohstoff fur Synthesen in der chemischen In­dustrie sowie als Verdunnungs – und Konservierungsmittel in der Lebensmittelindustrie. Auch im Verkehrs – und Transportbereich (Schifffahrt) sowie im Rahmen der Ver – und Entsorgung hat das Wasser eine wichtige Funktion. Beispielsweise werden Schmutz – und Schadstoffe liber unterirdische oder Oberflachengewasser zum Meer transportiert.

Im Bauwesen spielt Wasser als Zugabewasser, als Baugrund – und Abwasser und natUrlich als Regenwasser eine wichtige Rolle.